Mittwoch, 24. Juni 2009

Teutsche Chronik


Christian Friedrich Daniel Schubart, geboren 1739, gestorben 1791: ein virtuoser Orgelspieler, ein genialer Stegreifdichter, vor allem aber ein großer Journalist. Sein »Volkston« ist keine Volkstümlichkeit von oben herab, sondern eine Verweigerung von arroganter Distanz. Schubart will die Provinz, das flache Land, die bildungsärmeren Schichten für den sich anbahnenden politischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Aufbruch öffnen.

Seine Deutsche Chronik wird von Schiller und Hölderlin ebenso gelesen wie von Wirten, Friseuren, Bauern, Handwerksburschen und Bedienten. Für die Pressefreiheiten, die er sich herausnahm, büßte er mit einer zehnjährigen Haft ohne Anklage und Urteil. Danach blieben ihm nur noch vier Jahre. Das hat die Biographie des Mannes vom Hohenasperg vor sein Werk geschoben.

Das Buch von Bernd Jürgen Warneken führt beides wieder zusammen: Sie zeigt einen eigensinnigen Aufklärer, der die bürgerliche Emanzipation mit »Wucht und Wärme« (Hermann Hesse) vorantreibt, das bürgerliche Habitusideal jedoch bewusst verfehlt. Resigniert schrieb in seinem Todesjahr die Zensurbehörde, der Schubarts »freie Schreibart« von Anfang an missfallen hat: »Allein - sein Ton gefiel dem Publico.«

Schubart: Der unbürgerliche Bürger

Freitag, 8. Mai 2009

Religiöse Spurensuche in Bremen


Warum verführen sich Adam und Eva heute in einer Einkaufspassage? Was bringt einen Wal auf das Dach eines Cafés und weshalb hat am Rathaus ein Papst ein Kreuz im Hintern stecken? Dieser neuartige Stadtführer macht sich auf die Suche danach, wie viel Religion außerhalb der Kirchen in der Bremer Innenstadt zu finden ist.
Auf einer Strecke vom Bahnhof über den Marktplatz zur Kunsthalle werden religiöse Symbole an ganz weltlichen Orten gezeigt und erklärt – und im Gegenzug nichtchristliche Symbole in Kirchen.


Autoren: Ottmar Hinz, Thomas Kroll, Andreas Mertin, Andreas Quade, Willhelm Tacke

Mertin/Quade (Hg.) Der Fisch auf dem Dach: Religiöse Spuren im Bremer Stadtbild, Edition Temmen, Bremen 2009, 12,80 Euro

Samstag, 14. März 2009

Evangelischer Kirchenbau



Kathrin Ellwardt: Evangelischer Kirchenbau in Deutschland

Das Buch bietet einen Überblick über die Architektur und Ausstattung evangelischer Kirchengebäude in Deutschland von der Reformation bis zur Gegenwart. In leicht verständlicher Form werden kunsthistorische Phänomene vor dem Hintergrund der Landes-, Kirchen- und Gesellschaftsgeschichte anhand anschaulicher Beispiele erläutert.

Wesentlich zum Verständnis protestantischer Sakralbauten sind die historischen Entstehungsbedingungen. Eine protestantische Kirche ist aber zunächst und vor allem Gottesdienstraum. Die Erfordernisse der Liturgie prägen die Räume und ihre Ausstattung, sodass Grundlagen lutherischer und reformierter Theologie ebenso zu vermitteln sind wie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden evangelischen Bekenntnisse.

Dabei ist es erforderlich, nach den Beweggründen der Menschen zu fragen, welche in den vergangenen Jahrhunderten für Planung und Bau von Kirchen verantwortlich zeichneten und sie zum Gottesdienst nutzten.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Individualisierung und Religion


Gräb/Charbonnier (Hg.): Individualisierung - Spiritualität - Religion: Transformationsprozesse auf dem religiösen Feld in interdisziplinärer Perspektive


Individualisierung im Allgemeinen und die Individualisierung der Religion im Besonderen haben oftmals keinen guten Klang. An den negativen Konnotationen, die mit diesem zeitdiagnostischen Begriff gemeinhin verbunden werden, ist allerdings so gut wie alles falsch. Dieser erste Band der neuen Reihe "Studien zu Religion und Kultur" liefert einen Einblick und in verschiedener Hinsicht auch Überblick über die verschiedenen Phänomene, Konzepte und Zugangsweisen zum Themenfeld von "Religion und Individualität". Er vereint dazu die Perspektiven aus Psychologie, Soziologie, Religionswissenschaften und der Theologie zu einem anregenden Diskurs.

Montag, 26. Januar 2009

Passion Kino


Passion Kino: Existenzielle Filmmotive in Religionsunterricht und Schulgottesdienst

Im Kino wie im Religionsunterricht werden Antworten auf existenzielle Fragen gesucht: Das verbindet. Filme im Religionsunterricht sind deshalb viel mehr als nur thematische Aufhänger. Reise, Glück und Tod - Filme zu solchen Grundsituationen menschlichen Daseins helfen, neu zu sehen und zu bewerten.
Nach einer grundlegenden Reflexion über wichtige cineastische Werke aus religionsphänomenologischem Blickwinkel bieten die Beiträge des Bandes an neun ausgewählten Beispielen Entwürfe für den Religionsunterricht. In der Praxis lassen sich die didaktischen und methodischen Überlegungen leicht auch auf andere Filme des Genres übertragen. Zwei Entwürfe für Gottesdienste mit Filmen runden den Band ab.
Mit Beiträgen von:
  • Stefan Geil
  • Hans-Martin Gutmann
  • Thomas Heller
  • Jörg Herrmann
  • Inge Kirsner
  • Andreas Mertin
  • Stefanie Schäfer-Bossert
  • Jörg Schmitter
  • Rolf Sistermann
  • Michael Wermke

Montag, 22. Dezember 2008

Robert Schad: Ein Kreuz für Fátima


Was früher die Regel war, ist heute die Ausnahme. Die Kirche hat als Auftraggeber für Künstler an Bedeutung verloren. Was geschieht, wenn sich ein zeitgenössischer Künstler wie der 1953 geborene Robert Schad auf ein Projekt eines Kreuzes einlässt, kann man in „Ein Kreuz für Fátima“ nun nachvollziehen. Entstanden ist das monumentale, um die 30 Meter hohe Kreuz aus Cortenstahl, im Rahmen von Alexandros N. Tombazis Neubau der Dreifaltigkeitskirche für den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima. Der Entwurf des Architekten schloss auf grundlegende Weise die Zusammenarbeit mit Künstlern ein.

Für Robert Schad, der für seine Stahlskulpturen bekannt geworden ist, wurde es eine Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Wurzeln und eine Beschäftigung mit den kunsthistorischen Vorläufern von Christusdarstellungen. Er wollte, so sagt der Bildhauer, „die Assoziationsbreite so offen wie möglich halten“.

Robert Schad - Ein Kreuz für Fátima

Samstag, 22. November 2008

Interventionen



Josef Meyer zu Schlochtern, Intervention: Autonome Gegenwartskunst in sakralen Räumen, Paderborn 2007

Zwischen Kirche und Kunst der Gegenwart hat sich nach langem Schweigen ein vorsichtiger Dialog entwickelt. Immer häufiger werden Werke der zeitgenössischen Kunst in Kirchen ausgestellt; die dadurch aufgeworfenen Fragen zum Verhältnis zwischen autonomer Kunst und sakralen Orten und Räumen werden auf beiden Seiten intensiv diskutiert. Das vorliegende Buch dokumentiert und analysiert Interventionen von namhaften Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Werke in Kirchenräumen präsentiert oder mit Installationen den Sakralraum selbst zum Thema einer künstlerischen Auseinandersetzung gemacht haben.

Um das Aufeinandertreffen der Ansprüche von autonomer Kunst und sakralen Räumen auch theoretisch zu klären, erörtert der erste Teil des Buches die topologische Begrifflichkeit von Ort, Raum und heilige Stätte. Darauf werden die Werke und Installationen folgender Künstlerinnen und Künstler detailliert beschrieben und mit Fotos dokumentiert: Franz Bernhard, Norbert Radermacher, Felix Droese, Mario Reis, Bogomir Ecker, Raffael Rheinsberg, Magdalena Jetelová, Klaus Simon, Kazuo Katase, Thomas Virnich, Christina Kubisch, Dorothee von Windheim.

Montag, 17. November 2008

Yves Netzhammer



Yves Netzhammers Arbeiten für die 52. Biennale Venedig und die Begleitausstellung zur documenta 12 im Jahr 2007 sind international breit wahrgenommen worden. Der Künstler (*1970 in Schaffhausen) schafft komplexe, verstörende Bildwelten mit zahlreichen Referenzen zur Kunstgeschichte, in denen sich Zeichnungen, Architektur, computergenerierte Videobilder und Sound durchdringen. Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge fließen beständig ineinander, verwandeln sich zu neuen, rätselhaften Wesen. Angenehmes ist verzahnt mit Unangenehmem, Totes verschmilzt mit Lebendigem. Mit seinen Werken suche er, so der Künstler, nach Bildern, die jeder im Kopf hat, ohne sie zu kennen. »Es geht um die Chance des Bildes in einer vom Verstehen regierten Welt«, und darum, »nach den Mustern unserer Wahrnehmung zu suchen, nach diesem untergründigen Parallelsystem, in dem sich unsere Wünsche und Ängste, unsere Vorurteile und Ambivalenzen verstecken.«
Reich bebildert dokumentiert das Buch die jüngsten Arbeiten Yves Netzhammers – die Installationen für Venedig und Kassel sowie Projekte für das Museum Rietberg, Zürich, und das SFMOMA, San Francisco –, ergänzt um frühere Werke.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kein Gott nirgends



"Wer an Gott glaubt, ist dumm, zurückgeblieben und kann nicht denken - diesen Behauptungen des 'neuen' Atheismus gilt es sich zu stellen. Denn viele seiner Argumente und Einwände lassen sich nicht leicht von der Hand weisen. Und nicht alle Positionen von Gottesgläubigen können überzeugen. Plattheiten und falsche Voraussetzungen gibt es auf beiden Seiten. Argumente wie Gegenargumente sind sorgfältig zu prüfen.

Matthias Wörther bietet in drei Schritten Orientierungshilfen zur aktuellen Debatte um den Gottesglauben an, indem er fragt:

  • Welche Rolle spielt die Gottes-Erfahrung, bezieht sie sich auf etwas Scheinbares oder Wirkliches?
  • Kann man den Gottesglauben als vernünftig begreifen oder verflüchtigt er sich, wenn man nur genug weiß?
  • Und was macht das Besondere des christlichen Gottesglaubens aus?
Ein unpolemischer Versuch, den Glauben an Gott begründet zu vertreten."

Matthias Wörther: Kein Gott nirgends?: Neuer Atheismus und alter Glaube - Orientierungen

Dienstag, 16. September 2008

Susanne Tunn: Kapelle


Zu der in Heft 54 des Magazins für Theologie und Ästhetik vorgestellten Kapelle von Susanne Tunn ist nun ein Buch erschienen, das den Entwicklungsprozess und die Realisierung dieses Kunstwerks vorstellt.

Der mit ergänzenden Texten von Jan Hoet und Jörg Mertin versehene bibliophile Band stellt mit seinen Abbildungen auf eine sehr eindrückliche und überzeugende Weise die Vorgeschichte und die Entstehung der Raum-Skulptur dar.

Das Buch ist sehr schön gestaltet, die Fotos so gut gewählt, dass man manchmal mit den Fingern über sie streicht, um dem abgebildeten Material nachzugehen.

Susanne Tunn, Kapelle (Chapel) 2004-2008, mit zahlreichen Farbfotos und zwei Texten, 56 Seiten, gebunden, Artbook-Verlag Kirchberg (Österreich) 2008. ISBN 987-3-9502570-2-1, Preis 14 Euro.

Sonntag, 14. September 2008

Bach trifft Friedrich


1747 folgt Johann Sebastian Bach einer Einladung Friedrichs des Großen und trifft ihn in Potsdam.

Damit, so heißt es im Klappentext des Buches, "begegneten sich in Potsdam zwei unvereinbare Charaktere — der eine ein tiefgläubiger Protestant mit schier göttlichen Gaben, der andere ein zynisch machiavellistischer Herrscher und aufgeklärter Monarch. Einzig Friedrichs Liebe zur Musik öffnete ein Fenster in eine andere, bessere Seite seines Wesens. Bach verblüfft den kompositorisch dilettierenden Gastgeber mit fugalen Improvisationen über ein königliches Thema — bis der König ihn bittet, eine sechsstimmige Fuge zu extemporieren."

Damit ordnet sich das Buch ein in die historisierenden Erzählungen, die Geschichte über Personenkonstellationen vermitteln. So kann neben dem biographischen Aspekt dieses Buch gelesen werden "als die Geschichte eines kulturellen Konflikts zwischen Religion und Aufklärung, zwischen Glauben und kalter, rationalistischer Skepsis."

Eine Besprechung des Buches erfolgt in der Dezemberausgabe des Magazins für Theoogie und Ästhetik.

James R. Gaines: Das musikalische Opfer. Johann Sebastian Bach trifft Friedrich den Großen am Abend der Aufklärung

Freitag, 22. August 2008

Der verborgene Sinn


Der verborgene Sinn: Religiöse Dimensionen des Alltags

Im gewohnten Alltag kann der tiefe Sinn unseres Lebens aufscheinen. Das Buch lädt ein zu einer veränderten Sicht auf die Welt, in der wir leben. Der Alltag ist weniger alltäglich, als man denkt. Es steckt in ihm geradezu ein Überschuss an Sinn. Den muss man freilich sehen lernen, auf eine achtsame und zugleich entspannte Weise. Wird man der Risse und Brüche inne, die im Alltag zu Hause sind, kann man sich ganz besonders darüber freuen, dass er trotzdem funktioniert.

Dieser Band ist dem Praktischen Theologen Wilhelm Gräb gewidmet, von dem wesentliche Anstöße zu einer lebensweltlich sinnoffenen Theologie ausgegangen sind.

AutorInnen verschiedener Disziplinen der Theologie, aus der Philosophie und der Soziologie haben sich zur Reflexion unserer alltäglichen Erlebnisse mit Kennern der kirchlichen Praxis zusammengetan. Sie richten ihren nachdenklichen Blick jeweils aus zwei Perspektiven auf den verborgenen Sinn im Alltag und eröffnen damit für Leserinnen und Leser neue Sichtweisen auf vermeintlich vertraute Phänomene. Damit regen sie zur religiösen Deutung und Selbstdeutung an.
  • Einleitung; Der verborgene Sinn. Religiöse Dimensionen im Alltag - Dietrich Korsch / Lars Charbonnier
  • Lebenszeichen der Religion - Martin Kumlehn
Religiöse Dimensionen im Alltag: Phänomene und Deutungen
  • Geburtstag / Leben - Peter Dabrock / Isabel Klaus
  • Aufstehen / Sinn - Folkart Wittekind / Volker Drehsen
  • Lächeln / Glück - Elisabeth Gräb-Schmidt / Frank Th. Brinkmann
  • Armbanduhr / Zeit - Johann-Hinrich Claussen / Jörg Herrmann
  • Fehlermeldung / Tätig sein - Martin Laube / Thomas Klie
  • Müllcontainer / Natur - Mathias Lobe / Lars Charbonnier
  • Surfen / Freizeit - Jörg Metelmann / Sergio Sorrentino
  • All-inclusive / Urlaub - Claus-Dieter Osthövener / Jan Hermelink
  • Dessert / Körper - Hartmut Ruddies / Inken Mädler
  • Fitnessstudio / Gesundheit - Arnulf von Scheliha / Detlef Lienau
  • Fußballstar / Orientierung - Jörg Lauster / Michael Meyer-Blanck
  • Zug verpasst! / Kontingenz - Walter Sparn / Hans-Günther Heimbrock
  • Beleidigung / Schuld und Versöhnung - Christian Danz / R. Ruard Ganzevoort
  • Klischee / Hass - Andreas Feige / Thomas Wabel
  • Sprengsatz / Gewalt - Stephan Schaede / Heinz Streib
  • Lernkontrolle / Persönlichkeitsentwicklung - Elisabeth Hartlieb / Martina Kumlehn
  • Umzugskarton / Abbruch und Aufbruch - Reiner Anselm / Kristin Merle
  • Handy / Fortschritt - Notger Slenczka / Tnu Lehtsaar
  • Schönheit / Performance - Andreas Mertin / Horst Schwebel
  • Orgasmus / Liebe - Daniel Louw / Wolfgang Steck
  • Trugschluss / Klang - Johannes Schilling / Gerson Raabe
  • Versenkung / Spiritualität - Werner Thiede / Norbert Mette
  • Küchentisch / Geborgenheit - Markus Buntfuß / Gerhard Rau
  • Ab ins Bett! / Familie - Martin Ohst / Friedrich Schweitzer
  • Linksabbieger / Gesellschaft - Wolfgang Vögele / Evert Jonker
  • Willkommen! / Annahme und Aufnahme - Notger Slenczka / Rolf Schieder
  • Antragsformular / Bitten - Christian Schwarke / Bernhard Dressler
  • Weihnachtsgeschenke / Danken - Jörg Dierken / Christian Nottmeier
  • Dehnungsübung / Leere erfahren - Insa Meyer / Thomas Erne
  • Intensivstation / Schmerz - Melanie Mordhorst / Ute Zöllner
  • Aussichtsturm / Hoffnung - Joachim von Soosten / Volker Gerhardt
  • Rentenbescheid / Alter - Lars Charbonnier / Georg Pfleiderer
  • Abschiednehmen / Trauern und Sterben - Petra Bahr / Mary Elizabeth Moore
  • Todesanzeige / Tod - Dietrich Korsch / Hans-Martin Dober
  • Epilegomena: Konsequenzen und Desiderata - Birgit Weyel

Mittwoch, 6. August 2008

Sakralbau


Rudolf Stegers: Entwurfsatlas Sakralbau, 2008

Das sakrale Bauen erlaubt dem Entwerfenden eine seltene Konzentration auf die Schaffung von Raum, Körper und Form. Weitaus weniger als andere Bauaufgaben wird sakrale Architektur von funktionalen Anforderungen, Normen und Standards bestimmt; sie kann sich in der Regel als pure Baukunst entfalten.

Im Hinblick auf den Entwurf bietet die Bauaufgabe dem Architekten somit immense Freiheiten. Zugleich verlangt aber der besondere atmosphärische Anspruch sakraler Räume von den Architekten einen hochsensiblen Umgang mit Religion sowie mit den jeweiligen kulturellen und baulichen Traditionen.

Das Buch stellt in einem systematischen Teil die entwurflichen, technischen und planerischen Grundlagen des Bauens von Kirchen, Synagogen und Moscheen dar. In einem Projektteil werden ca. 70 realisierte Bauten der letzten drei Jahrzehnte dargestellt. Dem Autor gelingt auf der Basis seiner fundierten Kenntnisse und langjährigen Publikationserfahrungen, eine wertvolle Analyse der konzeptionellen und formalen Aspekte (z. B. Grundriss- oder Raumform, Lichteinfall, Materialität), die entscheidend zur sakralen Wirkung von Räumen beitragen.

Eine Besprechung des Buches finden Sie in der nächsten Ausgabe des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Kleines kabaretistisches Kirchenjahr


Harald Schroeter-Wittke, Autor des Magazins für Theologie und Ästhetik, hat ein neues Buch herausgegeben:
Fast fünfzig Kabarettisten und -innen sowie vierzehn Karikaturisten haben für dieses Buch ihr Bestes gegeben! Die großen Festkreise Weihnachten und Ostern sowie die Trinitatiszeit geben die Struktur dieses Buches vor.

Jeder Sonntag bzw. jedes Fest beginnt mit dem Sprücheklopfen, d.h. mit der Kommentierung des Wochenspruchs. Satirische Kleinod(i)e(n) zur Passionszeit finden sich ebenso wie Tiefsinniges zum Volkstrauertag oder zum Weltspartag.

Fast 300 Seiten zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken laden buchstäblich dazu ein, den Reichtum dieses Buches mit anderen zu teilen – nach Jesaja 45,3: „Ich will dir geben die heimlichen Schätze.“

Samstag, 21. Juni 2008

Philosophische Ästhetik


Günther Pöltner, Grundkurs Philosophie: Philosophische Ästhetik: Grundkurs Philosophie. Band 16: Bd 16

'Ästhetik' ist nicht nur ein Titel für eine philosophische Disziplin, sondern bezeichnet auch eine Neuinterpretation, nämlich die spezifisch ästhetische Deutung des Schönen und der Kunst. Deren Problematik bildet letztlich den Hintergrund für gegenwärtige Bemühungen um ein neues Selbstverständnis der Ästhetik im Sinne einer Wissenschaft von der ästhetischen Erfahrung oder einer Wahrnehmungslehre. Die vorliegende 'Philosophische Ästhetik' gibt einen Einblick in den geschichtlichen Wandel ästhetischer Fragestellungen. Geleitet von dem methodischen Grundsatz, was eine Sache ist, werde dort am besten erkannt, wo sie sich unverkürzt von ihr selbst her zeigen kann, wird die ursprüngliche Erfahrung des Schönen als eine maßgebliche Form 'ästhetischer' Erfahrung aufgewiesen.

Spiritual Care


Traugott Roser, Autor des Magazins für Theologie und Ästhetik, hat ein Buch zur Krankenhausseelsorge geschrieben:

Spiritual Care: Ethische, organisationale und spirituelle Aspekte der Krankenhausseelsorge. Ein praktisch-theologischer Zugang. Mit einem Geleitwort von Eberhard Schockenhoff

Spiritual Care - die Sorge für spirituelle Bedürfnisse Kranker und ihrer Angehörigen - entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen Säule des Gesundheitswesens.In vier Schritten entwickelt dieses Buch einen neuen Ansatz von Spiritual Care aus Sicht Praktischer Theologie. Präzise Beobachtungen des Krankenhausalltags werden mit theologischen Analysen von Phänomenen wie Tod im Umfeld der Geburt verbunden und führen zu einem besseren Verständnis für spirituelle Bedürfnisse und Ressourcen von Patienten, Angehörigen und Pflegenden.
Der Anspruch an eine ganzheitliche Versorgung konfrontiert alle in Kliniken und Pflegeinrichtungen Tätigen mit existentiellen Bedürfnissen von Patienten und Angehörigen. "Spiritual Care" hilft diese zu verstehen und professionell mit ihnen umzugehen. Nicht zuletzt der Seelsorge kommt die Aufgabe zu, die Bedeutung von Spiritualität in den Herausforderungen des medizinisch-pflegerischen Alltags glaubhaft zu vermitteln.Dieses Buch entwickelt einen neuen Ansatz von Spiritual Care in einer pluralen Gesellschaft aus Sicht Praktischer Theologie. Präzise Beobachtungen von Krankheitsverläufen und Klinikalltag werden verbunden mit theologischen Analysen. Sie führen zu einem besseren Verständnis für spirituelle Bedürfnisse und Ressourcen von Patienten, Angehörigen und Professionellen. Konkrete Gestaltungsideen zeigen, wie spirituelle Begleitung zum integralen Bestandteil des Gesundheitssystems werden kann.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Performanzen des Todes


Thomas Klie (Hg.) Performanzen des Todes: Neue Bestattungskultur und kirchliche Wahrnehmung

Schon seit längerem schwindet das Bewusstsein vom Öffentlichkeitscharakter des Todes. Das zunehmende Diskretionsbedürfnis verändert die tradierte Sepulkralkultur. Werden aber zugängliche Grabstellen, öffentliche Feiern und identifizierbare Inschriften nicht mehr gewollt, dann büßt der Todesfall mehr und mehr seinen Zeichencharakter ein. Als Gegenbewegung dazu etabliert sich ein gesteigertes Inszenierungsbedürfnis. Durch den Verlust des kirchlichen Ritenmonopols kommen mehr und mehr popkulturelle Deutungen des Ablebens zur Darstellung. Die Medien verstärken spürbar das Interesse an alternativen Bestattungsformen. Neue Orte abseits der Friedhöfe entstehen, wie etwa Friedwälder oder Columbarien. Der Friedhofszwang lockert sich, Urnen werden zur "Mobilie". Im Internet bildet sich eine alternative Form mediatisierter Trauer.

Autoren: Thomas Klie - Philipp Stoellger - Norbert Fischer - Inken Mädler - Jan Hermelink - Stephan Schaede - Karl-Heinrich Bieritz - Ingo Reuter - Hans-Jürgen Kutzner - Andreas Mertin - Roland Rosenstock

Mittwoch, 28. Mai 2008

Der eigene Gott


Ulrich Beck: Der eigene Gott: Friedensfähigkeit und Gewaltpotential der Religionen

Alle Weltreligionen sehen sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts radikalen Transformationen ausgesetzt, alle Weltreligionen ebenso wie alle kulturellen Schöpfungen und Symbole existieren gleichzeitig nebeneinander und stehen meist, herausgelöst aus ihren zeitlichen und räumlichen Kontexten, offen für eine allgemeine Verfügbarkeit, für fundamentalistische oder individuelle Aneignungen. Globalisierung bietet nicht nur die große Chance für die Weltreligionen, sich aus den territorialen Bindungen der Nationalgesellschaft und des Nationalstaates zu lösen und ihre transnationalen Dimensionen, Netzwerke und Imaginationen von "Gemeinschaft" neu zu entdecken und wiederzubeleben. Zugleich werden auf diese Weise auch wechselseitig die Monopolansprüche in Frage gestellt. Die Weltreligionen sehen sich dazu gezwungen, im grenzenlosen Raum massenmedialisierter Öffentlichkeit und Nachbarschaft miteinander konkurrieren und kommunizieren müssen. Das post-säkulare Zeitalter hat den Modernitätsstreit zwischen Religionen und Säkularismen zu überwinden zugunsten einer Zivilisierung der Zivilisation (die geistliche Einheit des Menschengeschlechts verpflichtet die Bevölkerungen unterschiedlichen Glaubens, einen "gemeinsamen Pfad" zu finden). Wie steht der Einzelne, als religiöser oder als nicht-religiöser Bürger, wie stehen Christen, Juden und Muslime zum "Geist" der Weltgesellschaft?

Freitag, 9. Mai 2008

Verlust der Aufklärung


Die Logik der Sorge: Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien (edition unseld)

Seit der Aufklärung gilt das Idealbild vom mündigen Individuum, das Verantwortung für sein Handeln trägt. Durch die Übermacht der neuen Medien und den globalen Kapitalismus wird jedoch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, systematisch zerstört. Auch Erwachsene sind tatsächlich keine mündigen Individuen, sondern verharren in einem Zustand der Unreife, der es ihnen unmöglich macht, die jüngere Generation zu Verantwortungsbewußtsein zu erziehen. Ein Generationenvertrag wird aufgelöst und das Leben auf das Lustprinzip, die bloße Gegenwart, reduziert, somit wird Vergangenheit ausgelöscht und eine Zukunft nach den Idealen der Aufklärung aussichtslos. Die Folgen sind eine Infantilisierung der Gesellschaft, strukturelle Verantwortungslosigkeit und eine durch manipulative Medien verursachte gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeitsstörung. Bernard Stieglers Hauptinteresse gilt dem Zusammenhang von Kultur und Technik und den Veränderungen der Gesellschaft durch Medien und Digitalisierung. Der Autor klagt die Medien an, die in ihrer Funktion als "Psychotechnologien" ein triebgesteuertes Publikum heranzüchten, das nicht mehr Sorge tragen kann und soll - Sorge um das Selbst, die Familie, die Umwelt und auch die Sorge, wie sie sich in der mündigen Kritikfähigkeit äußert. Marketing wird zum alleinigen Instrument der Sozialkontrolle, die Telekratie ersetzt die Demokratie.

Samstag, 12. April 2008

Tanz und Religion


Tanz und Religion ein bisweilen sehr unterschiedlich bewertetes Geschwisterpaar. So tanzen im Alten Testament Mirjam und David zur Ehre Gottes, andererseits wird der Tanz ums goldenen Kalb sprichwörtlich für falschverstandene Gottesverehrung. Tanzen war und ist im Christentum umstritten.

Dieser Ambivalenz stellen sich die verschiedenen Theologinnen und Theologen dieses Bandes, die sich aus den unterschiedlichen Blickwinkeln ihrer Fächer und Forschungsansätze mit Tanz und Religion im Kontext des Christentums auseinandersetzen.

Autorinnen und Autoren des Buches sind
  • Harald Schroeter-Wittke,
  • Jürgen Ebach,
  • Silke Petersen,
  • Marion Keuchen,
  • Hans-Martin Gutmann,
  • Martin Leutzsch,
  • Agnes Wuckelt,
  • Bernd Beuscher,
  • Benita Joswig,
  • Andreas Mertin,
  • Wolfgang Huber,
  • Gesine Dronsz,
  • Helga Kuhlmann.

Tanz und Religion. Theologische Perspektiven