Freitag, 24. Februar 2012

Kirchen - Nutzung und Umnutzung



Büchse u.a.: Kirchen - Nutzung und Umnutzung: Kulturgeschichtliche, theologische und praktische Reflexionen, Münster 2012

Das Thema Kirchennutzung und -umnutzung zählt gegenwärtig zu den großen Strukturherausforderungen der christlichen Kirchen in Deutschland, gleich ob auf der Ebene der Kirchenleitungen in den Diözesen und Landeskirchen oder in den betroffenen Gemeinden vor Ort.

Der Band beleuchtet die vielschichtige Thematik in einer Reihe von fundierten Beiträgen aus unterschiedlichen fachlichen und praktischen Perspektiven; zahlreiche Abbildungen illustrieren zudem Beispiele und Sachverhalte. Fachleuten und Interessierten gleichermaßen bietet das Buch damit Information und richtungsweisende Anstöße.

Dienstag, 7. Februar 2012

Edwin Geist


"Was ich möchte? Ich will meine Frau wieder zurückhaben, die unschuldig im Ghetto leidet!" (Edwin Geist, 1. April 1942)

Ein ergreifendes Zeugnis aus der Schreckenszeit der Massenmorde an den Juden. Wir werden Leser von intimen Tagebuchblättern, die nie für fremde Augen bestimmt waren; von Zwiegesprächen, die Edwin Geist mit der im gar nicht fernen Ghetto internierten, aber doch unerreichbaren, geliebten Frau führt - mit Lyda. Der als Halbjude von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot bestrafte Komponist Edwin Geist war 1938 von Berlin ins litauische Kaunas gegangen, wo er sich in Lyda verliebte und sie heiratete.

Reinhard Kaiser ist vor Jahren auf diese atemberaubenden fünf Hefte gestoßen - und hat sie nun neu ediert und kommentiert. Sie zeugen von dem Mut und der List, mit der Edwin Geist bei den Nazi-Behörden die Freilassung seiner geliebten Lyda erreicht - nachdem es ihm selbst schon glücklich gelungen war, dem Ghetto zu entkommen. Edwin Geists Alltagschronik aus sechs Monaten erzählt von seiner Hoffnung und seiner Verzweiflung, von seinen Kompositionen und Lektüren - beim Warten auf Lyda.

Das "Tagebuch für Lyda" ist aber nicht nur ein Dokument der - wenn auch leider nur kurzzeitigen - Rettung dieses wundersamen Paares. Zur Geschichte dieses Tagebuchs gehören auch seine Odyssee - aus dem Kaunas der Nachkriegszeit bis zu Reinhard Kaiser - und die abenteuerlichen Wege des musikalischen Werkes eines Komponisten, der nun auch anhand von Proben auf einer CD wiederentdeckt werden kann.

Edwin Geist, "Stündlich zähle ich die Tage! ...": Tagebuch für Lyda. März - August 1942 (Hg. von Reinhard Kaiser)

Freitag, 3. Februar 2012

Der Durchstreicher


Neun Geschichten handeln von Künstlern, Kunstfälschern, konkurrierenden Architekturprofessoren, einem Unternehmer, der einen Pfarrer kauft, einem Baron, der für seinen Sohn einen Doktortitel erwerben will und anderen auffällig gewordenen Zeitgenossen. Obgleich die Geschichten auf den ersten Blick kaum zu glauben sind, haben sie meist einen realistischen Kern. Mit Schmunzeln und Augenzwinkern vermittelt der Autor, dass Alltägliches und Fiktion mitunter nahe beieinander liegen und bereits der Alltag satiretauglich ist.

Horst Schwebel, geboren in Frankfurt am Main, Studium der Philosophie, Theologie und der Christlichen Archäologie. Promotion, Ordination, Habilitation. Professor für Praktische Theologie und Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart in Marburg (1980 -2006). Ausstellungskurator. Ehrendoktor in Helsinki, Fellow in Berkeley, CA. Zahlreiche Veröffentlichungen im Grenzbereich von Kunst und Theologie, u. a. "Die Kunst und das Christentum". Als freier Autor Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. 

Horst Schwebel, Der Durchstreicher, Marburg 2012

Samstag, 28. Januar 2012

Wunder


Wunder: Ausstellung: Deichtorhallen Hamburg

Wunder das ist das Buch zur Ausstellung über die Grenzen abendländischer Rationalität - an ihren Rändern, in ihrem Innern und in ihrer Geschichte. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, beschäftigen sich die interdisziplinäre Ausstellung und das Buch mit dem, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bloßen Zufall.

Die Exponate aus allen gesellschaftlichen Bereichen zeichnen nach, wie christliche Religion und antike Naturphilosophie unsere Vorstellung des Wunders geprägt haben. Das Wunder wird so kenntlich als eine Öffnung in der Welt, aus der Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen sind. Während letztere eher zweck- und zielorientiert sind, zeichnet sich die Kunst durch einen ungleich größeren Freiheitsgrad aus, dieser Öffnung immer neue Gestalt zu verleihen und sie zur Diskussion zu stellen.

Die Öffnung, die das Wunder in unserer Kultur verkörpert, verweist immer auch auf einen Mangel, eine Lücke, die zu schließen ebenso ersehnt wie unmöglich ist. Sie ist der Antrieb, aus dem die Meisterwerke der Kunst wie der Technik hervorgehen. Indem sie diese einzigartige Verbindung religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Motive mit alternativen Sichtweisen vergleicht, etwa im Islam und in anderen Kulturkreisen, stellen Ausstellung und Buch das abendländische Weltbild und seine fragile Fähigkeit zur Sinngebung zur Diskussion.

Mit Werken unter anderem von Francis Alÿs, Kader Attia, Joseph Beuys, Cosima von Bonin, Andreas Gursky, Jonathan Horowitz, Sven Johne, Helmut & Johanna Kandl, Terence Koh, Igor & Svetlana Kopystiansky, Ingeborg Lüscher, Henri Michaux, Joseph Ignaz Mildorfer, Timo Nasseri, Paul Nougé, Reto Pulfer, Johann von Schraudolph, Shirana Shahbazi, Katharina Sieverding, Roman Signer, Thomas Struth, Fiona Tan, Javier Téllez, Jalal Toufic, James Turrell, Timm Ulrichs, Erwin Wurm sowie einer Vielzahl wissenschaftlicher und kulturhistorischer Exponate.

Wunder: Ausstellung: Deichtorhallen Hamburg

Musik als Theologie


Die abendländische Musik ist voll von Religion und Theologie. Bislang gilt Musik aber eher als Rezipientin, weniger als Produzentin von Theologie. Schroeter-Wittke fragt in umgekehrter Richtung, wie Musik Theologie treibt, wobei er weit über kirchenmusikalisches Repertoire hinaus geht. In Werkstudien werden musikwissenschaftliche und theologische Zugänge in ungewöhnlicher Weise miteinander ins Gespräch gebracht, z.B., wenn Johann Kuhnaus Biblische Sonaten von 1700 als private Religionspädagogik analysiert werden. Querschnitte durch die neuzeitliche Musikgeschichte bieten die Themenstudien z.B. zum Paradies als Thema der Musik von Bach bis Berg. Phänomenstudien verbinden schließlich kulturanthropologische und theologische Fragestellungen, z.B., wenn Rhythmus als theologisches Ereignis reflektiert wird. So entstehen kulturwissenschaftlich grundierte Beiträge zur Theologie von Laien, die eine wenig beachtete emotionale Saite der Kirchengeschichte zum Klingen bringen.

Harald Schroeter-Wittke, Dr. theol. habil., Jahrgang 1961, ist Professor für Didaktik der Evangelischen Religionslehre mit Kirchengeschichte am Institut für Evangelische Theologie der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. Er ist Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und Mitglied der Liturgischen Konferenz Deutschlands. 

Harald Schroeter-Wittke: Musik als Theologie: Studien zur musikalischen Laientheologie in Geschichte und Gegenwart, Leipzig 2010

Dienstag, 6. Dezember 2011

Mona Lisa Schwindel


Deborah Dixon: Der Mona Lisa Schwindel

Ein geistreiches literarisches Pasticcio - eine andere Kunstgeschichte um "Mona Lisa", die Traumfrau der Malerei Detektivische Faction - um Fälschungen und Mystifikationen: Denn niemand und nichts entspricht dem Schein. Der Diebstahl von Leonardo da Vincis berühmter "Mona Lisa" aus dem Louvre, dieser atemberaubend skandalöse Coup im August 1911, hatte die französische Gesellschaft elektrisiert. Und nicht nur der junge und noch unbekannte Picasso, auch der Dichter Apollinaire wurde verdächtigt. Ist das Original je wieder an seinen Platz zurückgekehrt? Was betrachten die Millionen von Museumsbesuchern seitdem? Mit dem Untergang der Titanic im April 1912 versank auch die "Gioconda" im Atlantik - allerdings gleich in mehrfacher Ausführung. Yves Chaudron, Meisterfälscher aus Marseille und verliebt in die italienische Renaissance-Malerei, hatte vier Kopien gefertigt, die der ehrgeizige Pariser Kunsth?ndler Eduardo de Valfierno amerikanischen Millionären und Kunstliebhabern auf Europareise anvertraute. In den Jahren des Ersten Weltkriegs und in den tumultösen Zwanzigern begleitet die echte "Mona Lisa" ihren Besitzer Valfierno nach Tanger und Havanna, wo er seine spätere Frau Laura kennenlernt. Die Wege der ewig lächelnden Renaissance-Dame, die immer, wie schon bei Napoleon, im Schlafzimmer ihres Besitzers hing, führen den Leser über New York ins aufblühende Hollywood der europäisch-jüdischen Emigranten - wo diese Odyssee während eines glamour?sen Festes ihren Show-down findet.Diese Geschichte voller ebenso unglaublicher wie wahrer Details konnte die Kunsthistorikerin Deborah Dixon anhand der Tagebücher von Valfierno und dessen Witwe rekonstruieren und zu einem faszinierenden Panorama der Kunst- und Zeitgeschichte verarbeiten.
Deborah Dixon wurde 1909 in New York in vermögende Verhältnisse geboren, studierte Kunstgeschichte und arbeitete anschließend im Metropolitan Museum of Art. Sie starb im Alter von 85 Jahren und erlebte die Veröffentlichung ihres Buches nicht mehr.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Filmische Inszenierung jugendlicher Gewalt

Wissen sie, was sie tun?: Zur filmischen Inszenierung der Gewalt von und an Kindern und Jugendlichen

Die mediale Inszenierung von Gewalt fordert Produzenten wie Rezipienten heraus. Manchmal unbemerkt, oft aber sehr bewusst geht die Darstellung von Gewalt mit sublimer Verklärung einher. Auch in ihrem Erschreckenden und Abstoßenden umgibt Gewalt dann eine Aura von Stärke, Gradlinigkeit und Faszination. Andererseits wird Gewalt, wenn sie von Kindern und Jugendlichen ausgeht, aber auch wenn ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche reflektiert wird, mit einem Tabu belegt: Die mediale Darstellung von Gewalt erscheint dann hauptverantwortlich für eine scheinbar um sich greifende Gewaltbereitschaft Jugendlicher.

Das Buch setzt sich mit verschiedenen Möglichkeiten der Inszenierung jugendlicher Gewalt in Kino- und Fernsehfilmen auseinander. Der Stellenwert von Gewalt in der Jugendkultur wird ebenso reflektiert wie Fragen der Ästhetik. Dabei geht es immer auch um die Aufhellung der historischen, politischen und sozialen Hintergründe von Jugendgewalt, ohne dem Phänomen aus der Vogelperspektive seine gesellschaftliche Sprengkraft zu nehmen. In genau diesem Sinne dient Rebels without a cause als Bezugspunkt, der Film mit James Dean aus dem Jahr 1955 über Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit amerikanischer Jugendlicher in den 50er Jahren, der auch unter dem deutschen Titel Denn sie wissen nicht, was sie tun zum Kultfilm wurde - er leiht diesem Sammelband seinen Titel. Die Frage, ob sie wissen, was sie tun, richtet sich dabei an Filmemacher und Filmrezipienten, an Eltern und Pädagogen nicht weniger als an gewaltbereite Jugendliche selbst.

Ziel der Beiträge ist es, eine breite Sicht auf Entwicklungen in der Inszenierung jugendlicher Gewalt zu entfalten. Dabei bilden ein verbindendes Glied der Thesen und Argumentationslinien Filme wie Das weiße Band , Knallhart oder Chiko sowie erfolgreiche Fernsehfilmproduktionen wie Zivilcourage 

Wissen sie, was sie tun?: Zur filmischen Inszenierung der Gewalt von und an Kindern und Jugendlichen, hg. von j. Herrmann, J. Metelmann und H.-G. Schwandt

Sonntag, 30. Oktober 2011

Friedrich II. von Preußen


Alles, was man zu Friedrich II und Preußen wissen muss. Zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs am 24. Januar 2012 - vom Mythos zum umfassenden Kompendium: von A wie "Abenteurer","Abort" oder "Armee" bis Z wie "Zeitungen" oder "Zeremoniell".
     Friedrich II. von Preußen ist als Monarch umstritten - und wird es bleiben. Während seiner 46-jährigen Regierungszeit zu einer berühmten Größe von europäischem Rang und im 19. Jahrhundert zur Nationalikone geworden, kippte das deutsche Monument nach zwei Weltkriegen vom Sockel der Verklärung.
     Mit der Auflösung der Ost-West-Ideologie nach 1989 tauchten in den Vereinigten Staaten, in Russland und im antiquarischen Handel verloren geglaubte Quellen aus dem einstigen Geheimen Preußischen Staatsarchiv wie auch Familienarchive pommerscher und preußischer Adliger wieder auf: Dem Historiker Norbert Leithold bot sich also eine neue Grundlage zu aufklärerischer Erforschung des Lebens von Friedrich II. als Monarch wie als Mensch im Rahmen von Kultur- und Sozialgeschichte des 18. Jahrhunderts.
     Außerdem bezieht sich Norbert Leithold auf die bisher vernachlässigte politische Korrespondenz des Preußenkönigs, den bislang unbeachtet gebliebenen Nachlass des preußischen Diplomaten Johann Eustach von Goertz sowie auf den immer noch unerschlossenen Briefwechsel der Brüder Friedrichs II.
     Norbert Leitholds friderizianisch-preu§isch-europäisches Panorama verblüfft von A bis Z - mit all den Themen, die Friedrich sein Leben lang selbst beschäftigten und die für uns heutige Leser überraschende Einblicke ermöglichen.

Friedrich II. von Preußen: Ein kulturgeschichtliches Panorama von A-Z

Sonntag, 25. September 2011

Gestalten und Geschichten


Die Bibel mit ihrem Reichtum an Geschichten und Gestalten hat unsere Kultur zutiefst geprägt. Auf ganz unterschiedliche Weise haben Menschen ihren Zugang zu diesen Geschichten und Gestalten gesucht und auch gefunden. Solche Zugänge begegnen in der bildenden Kunst ebenso wie auch in der Literatur. In diesem Buch sind acht Vorträge dokumentiert, in denen gezeigt wird, wie Gestalten und Geschichten der Hebräischen Bibel, des Alten Testaments des Christentums, in der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts aufgenommen und interpretiert worden sind. Dabei werden folgende Werke zugrunde gelegt: das Drama ‚Die Sündflut’ von Ernst Barlach, die Roman-Trilogie ‚Die Sintflut’ von Stefan Andres, Romane von Joseph Roth und Herbert G. Wells über Hiob, das Buch ‚Adam oder das Geheimnis des Anfangs’ von Elie Wiesel, der Roman ‚Der König David Bericht’ von Stefan Heym, der Roman ‚Jephtas Tochter’ von Lion Feuchtwanger, der Roman ‚Der Mann im Fisch’ von Stefan Andres und die Erzählung ‚Das Gesetz’ von Thomas Mann – Werke also, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennoch haben sie etwas Gemeinsames: Alle zeigen auf je ihre Weise, wie die Verfasser ihre jeweilige Gegenwart vor dem Hintergrund der biblischen Geschichten, auf die sie sich beziehen, verstanden haben. Es ist keineswegs übertrieben davon zu sprechen, dass die biblischen Traditionen somit eine Verstehens-hilfe bieten, die es ermöglicht, das eigene Leben wie das der jeweiligen Gesellschaft zu deuten und damit letztlich auch gestalten zu können.

Hans-Christoph Goßmann / Joachim Liß-Walther (Hrsg.),, Gestalten und Geschichten der Hebräischen Bibel in der Literatur des 20. Jahrhunderts, Jerusalemer Texte, Band 6, Nordhausen 2011.

Sonntag, 31. Juli 2011

Kunst im Leben der Kirche


Schon immer ist die Funktion der Kunst im Leben der Kirche von Päpsten und Theologen gefördert und bei Gelegenheit auch verteidigt worden. Bereits Gregor der Große beharrte auf dem geistlichen Sinn und Zweck der hl. Bilder und auf ihrer Bedeutung für die Seelsorge. Zuletzt haben auch Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bestätigt, dass die Kirche die Kunst braucht, um die Botschaft übermitteln zu können, die Christus ihr anvertraut hat.

Prof. Mons. Timothy Verdon ist Kunsthistoriker und Domherr der Kathedrale von Florenz. Er leitet das Büro für die 'Katechese durch die Kunst' der Erzdiözese Florenz. Er ist darüber hinaus Präsident der Kommission für Ökumene und Interreligiösen Dialog der Florentiner Erzdiözese.

Verdon, Timothy (2011): Kunst im Leben der Kirche. Eine 2000-jährige Beziehung: Schnell & Steiner.

Samstag, 18. Juni 2011

Der Islam-Irrtum


Ein "anderer" Blick auf die muslimische Welt Ein engagiertes Plädoyer gegen den Kampf der Kulturen und ein neuer Blick hinter die Fassaden der Paläste und Hütten im Mittleren Osten - zehn Jahre nach dem 11. September 2001. Europa tut sich schwer mit dem Islam. Der Westen weiß nicht, wie er mit dem explosiven Nahen und Mittleren Osten umgehen soll. Ratlosigkeit und Angst befallen uns, wenn wir auf unsere nahen Nachbarn schauen. Doch die Bilder von Krieg und Aufruhr, Anschlägen und religiösen Fanatikern verengen unseren Blick. Die Schlagwörter von Terrorismus, Gewalt und Islamismus verdecken eine vielfältige, widersprüchliche Wirklichkeit - das ist der Islam-Irrtum. Der Korrespondent und Reporter Michael Thumann hat die Region viele Jahre intensiv bereist. Er berichtet aus den Rückzugsquartieren der Islamisten in Ägypten, aus den verschwiegenen Wohnpalästen von Saudi-Arabien, aus den Bergen des vom Krieg zerrissenen Kurdistan. Thumann sprach mit gewendeten radikalen Muslimen, die sich Demokratie und Freiheit wünschen, er besuchte Frauen, die nicht Auto fahren dürfen, aber ihre Ehemänner wie Wachs in der Hand halten, er war dabei, als Taliban- und Hisbollah-Kämpfer mit CIA-Agenten über die Welt und sich selbst diskutierten. Der Mittlere Osten verändert sich rasch. Jenseits der Chiffren von Rückständigkeit und Religiosität wachsen am arabischen Golf neue globale Machtzentren heran, steigt die Türkei zu einer neuen Regionalmacht auf, zerfrisst ein wiedererwachter Nationalismus die Gewissheiten der uns bekannten Staatenordnung. Aus Begegnungen, Reisereportagen und historisch-politischen Betrachtungen formt sich ein neues, spannendes Bild des Nahen und Mittleren Ostens - materialreich, glänzend informiert und mit scharfem analytischen Blick.

Michael Thumann: Der Islam-Irrtum: Europa und die muslimische Welt, Frankfurt: Eichborn 2011

Freitag, 13. Mai 2011

Offene Wirklichkeit



Die Untersuchung zeigt die grundsätzliche Offenheit der Wirklichkeit, die man zwar erfolgreich naturwissenschaftlich erforschen, die man aber nicht in einer geschlossenen und vollständigen Darstellung abbilden kann. Sie knüpft an die phänomenologischen Arbeiten von Merleau-Ponty an, der eine Beschreibung der Wirklichkeit jenseits eines Subjekt-Objekt-Dualismus anstrebte. Aufgrund ihrer leiblichen Existenz können Menschen sich von der Wirklichkeit distanzieren, aber nicht vollständig aus ihr lösen. Weder monistische noch dualistische Ansätze können deshalb überzeugen. Einerseits werden die objektivierend arbeitenden Naturwissenschaften bestätigt, andererseits werden zugleich jene irreduziblen Erscheinungsweisen der Wirklichkeit freigelegt, die etwa in bestimmten Sinnerfahrungen, Emotionen und Intuitionen einen Ausdruck finden. Ein Schema, das sich aus der Metapher des Chiasmus ableitet, ist Grundlage für die Entwicklung eines phänomenologischen Realismus. Aus dieser Analyse der Wirklichkeit folgt die Forderung nach einer Kultur, die die lebensweltlichen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in eine fruchtbare Beziehung setzt. Dem gemäß ist eine offene Erkenntnishaltung, die die Anstrengungen des Verstehens mit einer Achtsamkeit auf die unverstandenen und unverstehbaren Anteile der Wirklichkeit verbindet.

Frank Vogelsang: Offene Wirklichkeit: Ansatz eines phänomenologischen Realismus nach Merleau-Ponty

Montag, 28. März 2011

Schönheit des Glaubens


Seit Schleiermacher und Kierkegaard ist klar, dass die Kommunikation mit dem modernen Gebildeten nur gelingt, wenn seiner ästhetischen Sensibilität entsprochen wird. Für den Glauben heißt das: Er kann aus ästhetischen Gründen für obsolet erklärt werden. Der Glanz der Schönheit, den unsere Zivilisation vielleicht schon abgeschrieben hat - und nach dem sie sich insgeheim doch sehnt -, ist nur durch Wissen und Information nicht zu haben. Der Glaube eröffnet eine Dimension des "Ganz-Sein-Könnens", die Dimension der Schönheit. Dem ästhetischen Mehrwert des Glaubens geht diese Vortragsreihe nach.


Paprotny, Thorsten (Hg.) (2011): Schönheit des Glaubens. Thomas-Morus-Gesellschaft Hannover. Münster [u.a.]: LIT (Thomas-Morus-Impulse, 4).

Freitag, 25. März 2011

Exzentrisch werden


Es geht um Exzentrik im Sinne des Wortes. Im Grunde genommen kann alles aus dem Zentrum heraus verrückt werden, von der Mitte an den Rand oder von der Peripherie ins Zentrum. Wird etwas verrückt, entstehen Zwischenräume, Räume der Unbestimmtheit – nicht nur zwischen Regenschirm und Nähmaschine. Wird in diese Zwischenräume Neues hineinerzählt, verändern sich Perspektiven und Positionen. Bisher Übersehenes und Randständiges geraten in den Blick, und es zeigt sich: Alles kann auch ganz anders sein. Ist das vernünftig? Unsere Um-Ordnung ist eine Vorstufe zur Neu-Ordnung, der die Un-Ordnung vorangeht. Umgeordnet werden Vormaliges und Zeitgenössisches, Biographisches und Literarisches. Und zwar im Dialog mit zeitgenössischen philosophischen Einsichten. Biblisches Terrain wird neu erkundet und das eigene Leben auch.

Schulz, Petra; Malter, Rebekka; Bartels, Anike (2010): Exzentrisch werden. Verrückt in der Bibel und anderswo. 1. Aufl. Jena: IKS Garamond.

Transformation und religiöse Erziehung


Die Reformpädagogik gilt als eine wichtige, aber bislang wenig erforschte Strömung in der Geschichte und Gegenwart christlicher Erziehung und Bildung. In dem vorliegenden Band untersuchen Historiker, Religionspädagogen und Erziehungswissenschaftler die engen Zusammenhänge von Kultur und Religion, Pädagogik und Theologie, Schule und Kirche im Kontext der vielfältigen Modernisierungsprozesse im 19. und 20. Jahrhundert.
Der Sammelband dokumentiert die Beiträge der Jahrestagung 2009 des Arbeitskreises für historische Religionspädagogik zum Thema „Brüche, Kontinuitäten, Neuanfänge – Religionspädagogik und Reformpädagogik“. Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss historisch-wissenschaftlich arbeitender Religionspädagoginnen und Religionspädagogen evangelischer und katholischer Konfession.

Wermke, Michael (2010): Religionspädagogik und Reformpädagogik. Brüche, Kontinuitäten, Neuanfänge ; eine Veröffentlichung des Arbeitskreises für Historische Religionspädagogik. Jena: IKS Garamond (Arbeiten zur historischen Religionspädagogik, 8).

Montag, 28. Februar 2011

Gott und Literatur


Auf seinen literarischen Streifzügen begegnet der Autor u.a. Paul Gerhardt, Jean Paul, Hafis, Goethe, Schiller, Georg Büchner, Heinrich Heine, Dostojewskij, Arthur Schnitzler, Thomas Mann, Else Lasker-Schüler, Wilhelm Busch, Anna Seghers, Patrick Roth, Dorothee Sölle und Peter Rühmkorf.

Benedict: Was Gott den Dichtern verdankt: Literarische Streifzüge und Begegnungen
  • A. Gott verdankt Bach sehr viel. Eine kleine biographische Führung durch die Glücksmomente der Kunst.
  • B. Essays zum verborgenen Wort Gottes in Kunst und Dichtung
  • 1. Gott im Gedicht. Eine kleine deutsche Lyrikgeschichte unter dem Gottesthema
  • 2. Wenn Leiden das Leben durchkreuzt. Das Kreuz Christi als Deutungsmuster in der Literatur
  • 3. „Du, meine Seele, singe“ – Was uns bei den Liedern Paul Gerhardts in Bewegung bringt.
  • 4. „Hochbeglückt in deiner Liebe“ – Goethes Liebes- und Paradiesesgedichte im West-Östlichen Divan
  • 5. Freundschaftsbund und Liebesenthusiasmus – Schiller zum 250. Geburtstag 2009
  • 6. „Mich bewegt der große Judenschmerz“ – Heinrich Heine als stolzer Jude und zwangsgetaufter Christ
  • 7. Raskolnikows Krankheit zum Tode und Auferstehung. Eine theologische Lektüre von Dostojewskijs Verbrechen und Strafe.
  • 8. Den Mythus humanisieren. Die biblische Josephsgeschichte und der Josephsroman Thomas Manns
  • 9. Der lachende Pessimist und skeptische Christ. Wilhelm Buschs Lebensgeschichte und sein Spott über die Frommen
  • 10. Brot und Rosen. Dorothee Sölle als Gottespoetin
  • 11. Die Magdalenensekunde – Schreiben als Schattenarbeit und Totenerweckung bei Patrick Roth
  • 12. Mose in Aktion. Laudatio auf Marlene Röder und ihren Roman Zebraland zur Verleihung des Evangelischen Buchpreises 2010
  • 13. „Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah“ – Eine Literaturpredigt zum Herbstbeginn

Comic


Die Zeiten, in denen Comics der Nimbus des Schmuddeligen anhaftete, vorbei. Zum Leidwesen der Zeichner existiert jedoch immer noch kein richtiger Markt für sie – obwohl jetzt auch in Großverlagen Reihen zu „Graphic Novels“ erscheinen. Zumindest der Marktplatz soll mit diesem Band vergrößert werden, in verschiedenste Beiträge Religion auf den Panels und zwischen ihren Rinnsteinen aufspüren: von Cages über Dagobert Duck und Lucky Luke bis Hellsing, von Peanuts über Preacher bis zu Spiderman und Superman.

Kirsner u.a. (Hg): Überzeichnet - Religion in Comics

Inhalt:
  • Jochen Wiedemann: Wenn Theologinnen und Theologen Comics lesen – Eine kurze Führung durch weitgehend unbekanntes Terrain 
  • Inge Kirsner: Lucky Luke – Ein Prediger in der Wüste 
  • Olaf Seydel: Superheroes and me – Biografische Einblicke 
  • Hans Jürgen Luibl: Superman – Comic-Held im Dschungel postmoderner Religion 
  • Andrea Völkner: Vom Schuhputzer zur reichsten Ente der Welt – Die Geschichte des Dagobert Duck 
  • Felix von Gehren: Charlie Brown und Co. als Alltagstheologen – Religion in Charles M. Schulz „The Peanuts“ 
  • Frank Thomas Brinkmann: In jeder Dekade dem Tode geweiht? 
  • Olaf Seydel: Freundschaft, Liebe, Hass und Rache – Der Preacher und seine „Gemeinde“ 
  • Jochen Wiedemann: Gott, Katze, Mensch und Schöpfung – Spuren des Religiösen in Dave McKeans „Cages“ 
  • Stefanie Schäfer-Bossert: Die Hellsing-Animés – ein Meilenstein in der Vampirgeschichte 
  • Andreas Kubik: Comics und Religion – ein Rückblick aus theologisch-kulturhermeneutischer Perspektive 
  • Ingo Reuter: Comics und Religion – ein Rückblick aus religionspädagogischer Perspektive

Kirchenkritik


Die Kirchen in Deutschland erleben eine beispiellose Austrittswelle. Was läuft schief? Nur auf die Missbrauchsskandale zu verweisen greift zu kurz. Die Gründe liegen tiefer. Friedrich Wilhelm Graf analysiert in diesem Buch sieben Kardinal-Untugenden der Kirchen: die verquaste Sprache der Theologen, den selbstgerechten Moralismus der Funktionäre, die Bildungsferne der Gottesdienste, die Demokratievergessenheit politischer Interventionen, die weltfremde Selbstherrlichkeit der Würdenträger, den Abschied von einem pluralistischen Christentum sowie den Paternalismus kirchlicher Sozialmanager. Diese Analyse der kirchlichen Missstände ist längst überfällig. Sie will wachrütteln, damit die Kirchen ihrer gesellschaftlichen Aufgabe in Zukunft besser gerecht werden.

Frriedrich Wilhelm Graf: Kirchendämmerung: Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen

Sonntag, 6. Februar 2011

Apokalypse Afrika


Neben der Karibik sind es immer wieder der Kontinent Afrika, das Fortwirken kolonialer Vergangenheiten und die ethnischen Säuberungen und Massaker, die die erzählerisch-politischen Berichte von Hans Christoph Buch motivieren. Von den Albträumen legen seine Repor-tagen Zeugnis ab, ohne auf die bundesrepublikanischen Befindlichkeiten schön-rednerische Rücksicht zu nehmen. "Sansibar Blues oder Wie ich Livingstone fand", sein zuletzt in der Anderen Bibliothek erschienener Roman, bediente sich kongenial der Quellen von Afrikaforschungsberichten, denen Hans Christoph Buch nachreiste - und auch Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern vereint originelle Afrika-historie mit bedrückenden Reiseerfahrungen zu Romanessays mit der Hans Christoph Buch eigenen Beschreibungskraft: über eine Afrikareise als "Sondergast" des Bundespräsidenten, als Reporter im liberianischen Monrovia oder in einem ruandischen Flüchtlingslager; in historischen Passagen über Géricaults romantisches "Floß der Medusa", die erstmalige Erforschung der Berliner Kongo-Konferenz von 1884/85 oder Besuchen bei der "Hottentottenvenus". "Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern" ist ein Abgesang auf erlebte Realität, eine Art Totentanz - und dabei blitzen Momente der Hoffnung auf, im Überlebenswillen der Menschen, besonders der Frauen. [Klappentext]

Hans Christoph Buch: Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern: Romanessay, Frankfurt: Eichborn (Die Andere Bibliothek Band 314)

Das vierte Buch von HC Buch in der Reihe der Anderen Bibliothek. Im Zentrum steht Ruanda und der Kongo und unser Schweigen zu den Geschehnissen und den Folgen bis in die Gegenwart. [AM]

Samstag, 15. Januar 2011

Vom Logos zum Mythos


Nach der Jahrtausendwende zeichnet sich deutlich eine Rückkehr der Religion ab. Allerdings sind dabei Ablösungs- und Transformationsprozesse von traditionell geprägten Religionsformen zu erkennen. Gerade fiktive Großerzählungen wie "Herr der Ringe" bzw. "Harry Potter" spielen innerhalb der angedeuteten Transformationsprozesse von traditionell geprägten Religionsformen eine entscheidende Rolle.
Der vorliegende Band analysiert die angedeuteten Transformationsprozesse von Religion. Ausgehend von der Theorieentwicklung wird dann entsprechendes Didaktikmaterial dargelegt.

Dinter/Söderblom (Hg.): Vom Logos zum Mythos: 'Herr der Ringe' und 'Harry Potter' als zentrale Grunderzählungen des 21. Jahrhunderts. Praktisch-theologische und religionsdidaktische Analysen, Münster 2010