Mittwoch, 28. August 2013

Ethik


Huber, Wolfgang (2013): Ethik. Die Grundfragen unseres Lebens von der Geburt bis zum Tod. München: Beck.

Der Theologe Wolfgang Huber behandelt zwanzig ethische Grundfragen, mit denen wir in einer pluralistischen, durch Technik, Migration und Globalisierung bestimmten Welt konfrontiert sind: von der Zeugung und Geburt eines Menschen über Partnerschaft und Familie, Medien und Arbeit bis hin zum Altern und zum Tod. Ein Vademecum der Ethik, das uns die Fragen unseres Lebens bewusst macht.

Neue medizinische Möglichkeiten haben die Entscheidung über Geburt und Tod wie nie zuvor in die Hände des Menschen gelegt und ganz neue Fragen aufgeworfen: Welcher Embryo darf überleben? Wie lange darf ein Leben über das Erträgliche hinaus verlängert werden? Weltweite Konflikte führen zu der Forderung, in Verantwortung für den Frieden Waffengewalt einzusetzen. Mit Klimawandel und Staatsverschuldung verbinden sich neue ökologische, soziale und politische Probleme. Wolfgang Huber erklärt, warum die neuen Herausforderungen uns alle angehen, und formuliert Maßstäbe des Menschlichen für ihre Lösung.

Wolfgang Huber, geb. 1942, Professor für Theologie in Berlin und Heidelberg, ist Fellow des Stellenbosch Institute for Advanced Study in Südafrika, Mitglied des Deutschen Ethikrats und war 1994 – 2009 Bischof in Berlin sowie 2003 – 2009 Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er wurde vielfach ausgezeichnet und geehrt, u. a. mit dem Max-Friedländer- Preis, dem Karl-Barth-Preis und dem Reuchlin-Preis. 

Die Bibel


Lang, Bernhard (2013): Die Bibel. Die 101 wichtigsten Fragen. München: Beck (Beck'sche Reihe, 7039).

Die Bibel gibt viele Rätsel auf: Wie und wann ist sie entstanden? Warum enthält sie so viele Widersprüche? Wer hat bestimmt, was in der Bibel steht? Welche biblischen Geschichten sollte man kennen? Müssen Christen alles glauben, was da geschrieben steht? War Maria Magdalena Jesu Geliebte?
Diese und andere Fragen beantwortet Bernhard Lang knapp, verständlich und auf dem neusten Forschungsstand. Seine kurzweiligen Antworten halten nicht nur für Anfänger manche überraschende Erkenntnis bereit.

Bernhard Lang, Professor em. für Altes Testament und Religionswissenschaft in Berlin, lehrte in Tübingen, Mainz, Paderborn, Paris und St. Andrews (Schottland). 

Hiob


Schüßler, Werner; Röbel, Marc (Hg.) (2013): HIOB, transdisziplinär. Seine Bedeutung in Theologie und Philosophie, Kunst und Literatur, Lebenspraxis und Spiritualität. Münster: LIT (Herausforderung Theodizee. Transdisziplinäre Studien, Bd. 3).

Die Gestalt des biblischen Hiob hat von alters her zu den verschiedensten Deutungen und Interpretationen Anlass gegeben. Der vorliegende Band geht den unterschiedlichen Facetten dieser Deutungen in Theologie und Philosophie, Kunst und Musik, Film und Literatur, Psychologie, Lebenspraxis und Spiritualität nach. Auf diese Weise möchte er einen Beitrag leisten zur umfassenden Rezeptionsgeschichte der biblischen Hiob-Gestalt, die weit über die Grenzen der Theologie hinausreicht.

Prof. Dr. Dr. Werner Schüßler ist Ordinarius für Philosophie an der Theologischen Fakultät Trier.

Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld.

Mittwoch, 31. Juli 2013

Volksfeinde


Karti Marton: Volksfeinde: Der Weg meiner Familie nach Amerika (Die Andere Bibliothek)

„Sie öffnen die Büchse der Pandora“, wurde Kati Marton gewarnt, als sie Einsicht in die geheimpolizeilichen Akten über ihre Familie in Budapest beantragte. Die Eltern entstammten der Welt des untergegangenen jüdisch-ungarischen Großbürgertums. Sie verschwiegen Ihre Herkunft. Und sie berichteten als letzte unabhängige Journalisten aus Budapest für die Amerikaner. Das machte diese „Volksfeinde“ zu Zeiten des Kalten Krieges wertvoll für beide Seiten. Die Geschichte der Martons, sowohl während der Nazizeit als auch unter den Kommunisten, barg viele Rätsel. Der große braune Archivumschlag, den die Eltern nie öffneten, enthüllte Kati Marton viele Wahrheiten: geheime Liebesaffären, Verrat, Folter – und neben erstaunlichem Mut, tiefe familiäre Liebe. Sie macht sich auf die Suche nach ihren Eltern. Kati Marton erinnert ungarische Historie und ein dramatisch erlebtes Familientrauma, indem sie sowohl die Geheimakten über ihren Vater, die Mutter und beider Töchter als auch Dutzende von Interviews zugrunde legt. Sie bezeugen, in welchem Maße die Martons von Freunden, Kollegen und sogar dem französischen Kindermädchen überwacht wurden. Kati Marton berichtet von der Sowjetisierung Ungarns, demokratischen Hoffnungen und der tragischen Revolution von 1956, von der Verhaftung ihrer Mutter und ihres Vaters, den Schauprozessen, der Verurteilung und Ausreise sowie vom triumphalen Neuanfang in den Vereinigten Staaten. Aber sie enthüllt auch: in dem geheimen Kalten Krieg zwischen Washington und Moskau waren Kati Marton und ihre Familie nur Schachfiguren in einem größeren Spiel. 
Buchkünstler: Erik Spiekermann

P.S.: Von der gleichen Autorin stammt auch: Karti Marton: Die Flucht der Genies: Neun ungarische Juden verändern die Welt, 2010

Sonntag, 21. Juli 2013

Filme im Religionsunterricht


Das neueste Heft der Zeitschrift entwurf beschäftigt sich mit dem Thema "Filme im Religionsunterricht".

Nähere Informationen finden sich hier.

Dienstag, 18. Juni 2013

Musik in Religion - Religion in Musik


M. Keuchen/H. Kuhlmann/M. Leutzsch (Hrsg.), Musik in Religion - Religion in Musik (Popkult), Jena 2013.

Der vorliegende Band geht vielfältigen Verbindungslinien zwischen diesen beiden Feldern menschlichen Handelns, Erlebens und Reflektierens nach. In den Blick geraten Musicals und Musikvideos ebenso wie Gottesdienst in Kirche und Synagoge, Orchesterwerke und Gesangbücher, Popmusik und Posaunen, religions- und missionspädagogische Arbeitsfelder ebenso wie die Massenmedien. Es geht um das Verhältnis von musikalischer Religion und religiöser Musik, um theologische Hermeneutik von Musik und musikalische Thematisierung von Religion. Die Menschen, die Musik machen und erleben, sind ebenso Thema wie die Engel, Popstars ebenso wie der singende Christus. Gefragt wird nach dem Verhältnis von Religion, Musik und Geschlecht, nach religiös grundierter Zukunftserwartung und Gegenwartsgestaltung im Musikmachen und -hören, analysiert werden Transformationsprozesse, auch Vergessenes wird wieder in Erinnerung gebracht.

42 beteiligte Autorinnen und Autoren auf 480 Seiten!

Freitag, 31. Mai 2013

Revolutionsetüden


Hans-Jürgen Schings, Revolutionsetüden. Schiller. Goethe. Kleist, Würzburg 2012 

Die hier vorgelegten Revolutionsetüden rücken so dicht wie möglich an die französische Revolution heran, namentlich an die großen journées der Jahre 1792/93, und zeigen, wie die bedeutendsten deutschen Autoren vom Weltereignis der Revolution gezwungen werden, ihre Position zu bestimmen. Sie beobachten Schiller als Leser des Moniteur, der den Prozeß gegen Ludwig XVI. in allen Details wiedergibt, namentlich die großen Reden von Montagne und Gironde. Sie entdecken in Goethes Natürlicher Tochter eine erschütternde Verarbeitung der Septembermorde, die Goethe als Teilnehmer an der Campagne der Koalitionstruppen im Feldlager zur Kenntnis nehmen muß. Kleists umstrittene Hermannsschlacht erweist sich schließlich als Sammelbecken revolutionärer Reminiszenzen, die auch sonst in seinem Werk lauern und dessen Atrozitäten untermauern.

Eine ausführliche Rezension findet sich im Magazin für Theologie und Ästhetik

Dublinesk


Vila-Matas, Enrique (2013): Dublinesk. Roman. Berlin: AB - Die Andere Bibliothek (Die Andere Bibliothek, 341).

Die Verleger, die noch lesen und sich immer schon zur Literatur hingezogen fühlten, sterben allmählich und kaum wahrnehmbar aus. Mit Samuel Riba, genannt: Riba , geht eine Ära dem Ende entgegen. Sein Leben war die Literatur, seine Biographie bestand aus Büchern. Dieser obsessive, in die Jahre und vom Alkohol gerade weggekommene Mann in Barcelona ist melancholisches Opfer der eigenen Literaturverrücktheit: Er träumt von Dublin, dort will er den Feiertag „Bloomsday“ begehen, den 16. Juni, den Tag, der mit James Joyce in die Weltliteratur eingegangen ist. Sein Roman „Ulysses“ ist zum dublinesken Roman schlechthin geworden. Für Riba, den sympathischen Verwandten von Leopold Bloom, ist „Ulysses“ der leuchtende Stern in der Gutenberg – Galaxie. Ein tragikkomischer Verleger phantasiert sein Ende, die Bestattung von Buch und Literatur im digitalen Zeitalter – und findet, angekommen in Dublin, eine Lebenszukunft. Dublinesk ist ein wundersames Romankaleidoskop, eine inspirierende Reise durch die Literatur mit der Verbeugung des brillant-witzigen Sprachspielers Vila-Matas vor den Autoren, die er verehrt. Dublinesk birgt einen Schatz an literarischen Anspielungen – und ist natürlich auch eine große Hommage an James Joyce, Dublin. Buchkünstler: Jörg Hülsmann

Eine ausführliche Rezension findet sich im Magazin für Theologie und Ästhetik

Bilder predigen


Ulrichs, Hans-Georg (Hg.) (2013): Bilder predigen. Gottesdienste mit Kunstwerken. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Dienst am Wort, Band 152).

Bilder haben das Potenzial, anregend zu sein. Darum sind sie eine Bereicherung auch für Gottesdienst und Predigt. Leicht ist der homiletische Umgang mit ihnen jedoch nicht. Da bedarf es der Anleitung. Oder besser: vieler verschiedener Beispiele. In dem von Hans Georg Ulrichs herausgegebenen Band sind es 13 Bilder und 13 Predigten, die so bereits gehalten worden sind. Predigten zu kirchenjahreszeitlichen Festen stehen neben Predigten in Kasualgottesdiensten. Kunstwerke vom späten Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts werden interpretiert. Manche Prediger beschauen die Bilder lang und vertiefend, andere wiederum nehmen nur kurz, dann aber nicht selten final darauf Bezug. Manche bevorzugen einen illustrierenden Gebrauch, andere wiederum konfrontieren Herkömmliches mit dem Bild. Manche deuten die Bibel, andere erhellen die menschliche Existenz und führen dann zum Glauben. Diese Predigten in ihrer Buntheit machen Mut, Kunst als homiletische Chance und Herausforderung anzunehmen.

Eine ausführliche Rezension findet sich im Magazin für Theologie und Ästhetik.

Freitag, 1. März 2013

Gefeiertes Geheimnis


Schütze, Stefan (2013): Gefeiertes Geheimnis. Spiritualität, Ritual und Gottesdienst in einer nachtheistischen Religiosität: GRIN VERLAG.

Ansätze für eine "nachtheistische" Rekonstruktion christlicher Gottesrede (und anderer "Loci" der christlichen Dogmatik) gibt es inzwischen einige, in Deutschland und v.a. in der internationalen, meist englischsprachigen theologischen Literatur. Die für ihn wichtigsten davon hat der Autor in seinen beiden zuvor veröffentlichten Büchern "'Gott', ,Welt' und ,Mensch' im 21. Jahrhundert" und "Was von uns bleibt" ausgewertet und diskutiert. Was aber bisher weitgehend fehlt, sind Überlegungen und Vorschläge zu einer entsprechenden "nachtheistischen" Gottesdienstgestaltung. In diese Lücke zielt nun das vorliegende dritte Buch des Autors. Gegen die Patriarchalismen und "Dominologien" der bestehenden dualistischen und supranaturalistischen liturgischen Sprach- und Denkformen fragt er nach den Möglichkeiten eines "dritten Weges" gottesdienstlicher Sprache und Vollzüge jenseits von "absoluten" Behauptungen und "dissoluten" Bestreitungen, der das Bemühen um eine "gerechte" bzw. "inklusive" Sprache mit der Suche nach einer für ihn auch nachtheistisch "sag- und tragfähigen" Gestalt der gottesdienstlichen Praxis verbindet. Dafür wertet er bereits bestehende liturgische Ansätze aus, vom "Politischen Nachtgebet" über das Projekt "Gottesdienst in ,gerechter Sprache'", die Gottesdienst- und Gebetspraxis der "Unitarischen Universalisten", die Impulse feministischer Mystik bis zu weiteren zeitgenössischen Formen des meditativen und kontemplativen Betens in Christentum und Buddhismus, und entwirft mit ihrer Hilfe einen heuristischen Vorschlag für eine neue Liturgie, die "nach Gott" den Menschen hilft, dennoch "vor Gott" zu leben, zu glauben, zu lieben und zu hoffen, d.h., offen zu werden und zu bleiben für jene Dimension von Transzendenz und Alterität in der Tiefe der Wirklichkeit, auf die die Transzendentalphilosphie Immanuel Kants, die Dekonstruktion Jacques Derridas, und die theologischen Entwürfe von Gordon Kaufman, Richard Kearney, Catherine Keller und anderen in unterschiedlicher Weise verweisen.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Malen mit Glas und Licht


Aus dem Inhalt:
  • Wilhelm Peters: Sein Selbstverständnis als Leiter einer Glaswerkstätte
  • Horst Schwebel: Mit Licht und Farbe malen und gestalten
  • Bazon Brock: Licht ist der Schatten Gottes
  • Holger Brülls: Grenzen und Chancen der Glasmalerei in der Gegenwart
  • Walter Zahner: Architektur ist Baukunst aus Raum und Licht
  • Horst Schwebel : SolarGlasKunst auf dem Prüfstand
  • sowie weiteren Beiträgen von und mit Thomas Kuzio, Jochem Poensgen, Raphael Seitz, Holger Brülls und Egon Vaupel  
Schwebel, Horst (Hg.) (2012): Ein Ausblick. Malen mit Glas und Licht.
Paderborn (Glasmalerei für das 21. Jahrhundert, 2).

Dienstag, 12. Februar 2013

Bilderverbot und Religionsunterricht




„Judentum, Christentum und Islam kennen ein sog. Bilderverbot. Dennoch sind die von ihnen geprägten Kulturräume keineswegs bilderlos. Vielmehr haben sie je eigene künstlerisch-ästhetische Traditionen ausgeprägt, etwa in den Bereichen Kalligrafie, Architektur, bildende Künste. Welche Rolle spielen Bilder im Religionsunterricht von Judentum, Christentum und Islam? Wie können Juden, Christen und Muslime angesichts von Medialisierung und „iconic turn“ so mit Bildern umgehen, dass ihr Religionsunterricht weder realitätsfern noch traditionsvergessen ist? Zur Beantwortung dieser Fragen werden grundlegende theologische sowie kunstgeschichtliche Einsichten aus den drei Religionen, zudem bilddidaktische Zugänge aus Kunstdidaktik und einschlägigen Religionsdidaktiken vorgestellt.“

Dienstag, 15. Januar 2013

Kirchbautag Rostock 2011


Der 27. Evangelische Kirchbautag in Rostock hatte die Dorfkirchen in Mecklenburg zum Thema. Ein großer konfliktreicher Strukturwandel kündigt sich in Europas Regionen an. Welche Rolle spielen Dorfkirchen bei diesem Strukturwandel? Dorfkirchen sind ein starkes Motiv für bürgerschaftliches Engagement. Die Erhaltung der Dorfkirchen schafft Freiräume und Hoffnungsräume, die für das Überleben einer Region wichtig sind. Dazu muss die Kirche die Herzen der Menschen gewinnen. Wenn ihr das wie in Mecklenburg gelingt, braucht sie sich um die Erhaltung der Kirchen keine Sorgen zu machen.

Thomas Erne (Hg.): Kirchbautag Rostock 2011: Kirchenraum - Freiraum - Hoffnungsraum, Marburg 2012

Dienstag, 8. Januar 2013

Zeitgenössische Kunst zur Bibel


Anlässlich der Lutherdekade zum 500. Jahrestag der Reformation, in der die bildende Kunst von Lucas Cranach und seine Bilder zur Bibel eine ganz besondere Rolle spielen, hat Johannes Beer Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, ein Werk zur Bibel einzureichen. Dabei geht es weniger umklassische Illustrationen als um die Begegnung autonomer Arbeiten mit Inhalten der Bibel, sodass ein Dialog auf Augenhöhe entsteht.
Das Spektrum reicht von Öl- oder Acrylgemälden über Zeichnungen und verschiedenste Grafiken bis hin zu fotografischen Arbeiten und Skulpturen: Ein Spiegel zeitgenössischer Kunst entsteht.

Johannes Beer: Zeitgenössische Kunst zur Bibel, Bielefeld 2012

Mittwoch, 2. Januar 2013

Ein Gesellschaftsroman


Vladimir Jabotinsky: Die Fünf, (Die Andere Bibliothek 336), Berlin 2012

"Ein Gesellschaftsroman über den Untergang des bürgerlich-jüdischen Odessa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Wiederentdeckung – Die »Buddenbrooks« am Schwarzen Meer 

Im Jahr 1935 unternimmt Vladimir Jabotinsky, streitbarer Mitbegründer der zionistischen Bewegung und brillanter Feuilletonist, eine imaginär-romanhafte Reise in das alte Odessa, in dem er 1880 geboren wurde, seine Kindheit und jungen Jahre verbrachte. 

Die Fünf: eine elegische Erinnerung an eine vergehende Welt, verkörpert in den fünf Geschwistern der Familie Milgrom, die in den politisch-kulturellen Wirren ihrer Zeit, zwischen revolutionärer Gewalt und Assimilation, heranwachsen. Das damalige Odessa ist noch eine kosmopolitisch tolerante Stadt am Schwarzen Meer, ein Vielvölkergemisch, in dem das Ukrainische und das Russische, das Jüdische und das Deutsche, das Armenische und das Griechische nebeneinander existieren. Durchdrungen vom Parfüm dieser sinnlichen, vitalen und polyglotten Prosa, begegnet uns in Vladimir Jabotinskys Roman vom Verfall einer Familie ein intimes Odessa mit seinen Plätzen, Straßen und Cafés – ein theatralisches, tragisches Menschenschauspiel. Es sind die letzten Tage von Odessa." [Klappentext]

Der Roman fängt ganz interessant an und entfaltet in unterschiedlicher Intensität das Schicksal von fünf Personen, die sich differenter kaum entwickeln könnten. Der Roman liest sich über weite Strecken durchaus spannend und interessant (vor allem wenn man die Querverweise jeweils nachschlägt), hat aber auch Längen und manche sprachliche Wiederholung (etwa wenn der Autor immer wieder betont, er erinnere sich nicht genau und könne die Ereignisse deshalb nicht exakt wiedergeben). Dennoch eine interessante Schilderung des Lebens in Odessa in den Wirren am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Im Palast der Erinnerung


Redaktionsempfehlung:

Gilles Rozier: m Palast der Erinnerung

Die Erinnerung an Jiddischland: Der Roman über die Magie einer Sprache, einer Kultur, eines Volkes In ihrem römischen Palais, wie außerhalb der Zeit, hütet Sulamita, eine alte Dame, das Gedächtnis – an ein verlorenes Land, ein versunkenes Atlantis, wo zwischen den beiden Weltkriegen in Warschau die Poesie regierte; verfasst in Jiddisch, dieser unvordenklich alten Sprache, Muttersprache von 11 Millionen Menschen vor dem letzten Krieg. Die Waise Pierre sucht das Gespräch mit Sulamita – auf der Suche nach seiner verlorenen Vergangenheit, den eigenen Ursprüngen, nur mit dem Namen seiner polnischen Großmutter im Lebensgepäck. Sulamita antwortet ihm aus dem Palast der Erinnerung.

Wir folgen dem Werdegang von drei Dichtern, »Sternschnuppen« am Himmel von Warschau, die sich entschieden hatten, die alte Sprache Jiddisch einheimisch zu machen: Peretz Markish (1895–1952), Melekh Rawicz (1893–1976) und Uri Zvi Grinberg (1896–1981). Drei Dichter, die sich über alle Kontinente zerstreuten. Damals waren sie jung, hatten ihre Geliebten und den Ruhm in ihrer Sprache – bis zur Katastrophe, in der alles verschwand, das Land und die Bücher, die Körper und die Seelen.

»Im Palast der Erinnerung« wird alles wieder lebendig, erwachen die Geschichten, Anekdoten, Briefwechsel, Gedichte; es wiedererwachen alte Landschaften, Polen, Weißrussland, die Ukraine, Österreich-Ungarn – es leuchtet in Prosa und Poesie die Sprache eines alten Europa.

Die Mühle und das Kreuz


Ein Tipp für geruhsame Winterstunden:

Die Mühle und das Kreuz (OmU) 2011 - DVD

Im Jahr 1564 erhält Pieter Bruegel von dem reichen Antwerpener Kaufmann und Kunstsammler Nicolas Jonghelinck den Auftrag, die Kreuztragung Christi zu malen.

Er nimmt den Auftrag an, doch will er nicht eine weitere von unzähligen Versionen der Passionsgeschichte liefern, sondern etwas Besonderes schaffen: Ein Bild, das eine Vielzahl von Geschichten erzählt und das groß genug ist, hunderte von Menschen aufzunehmen.

Aber vor allem soll die Kreuzigungsgeschichte nicht im Heiligen Land, sondern in seiner flämischen Heimat spielen. Also geht Bruegel zu den Menschen auf den Höfen, Feldern und Märkten, um nach diesen Geschichten in einem Land zu suchen, das unter spanischer Herrschaft steht und in dem die Inquisitoren erbarmungslos wüten. Er hält alles in seinen Skizzen fest und beginnt auf diese Weise, die Schicksale von unzähligen Menschen virtuos miteinander zu verflechten ...


Dazu als Hintergrundinformation jenes wissenschaftliche Buch zum Gemälde von Bruegel, auf das sich der Regisseur beim Film bezieht und das in der gerade im September erschienenen deutschen Ausgabe wiederum auf den Film Bezug nimmt:

Gibson: Die Mühle und das Kreuz: Peter Bruegels KREUZTRAGUNG

Das Buch von Michael Francis Gibson konfrontiert den Leser mit dem Geschehen des überraschenden Bildes von Pieter Breugel d.A., Die Kreuztragung, ein zweischichtiges Werk, das gleichzeitig die Leidensgeschichte Christi und die Exekution eines Predigers der Reformation zu Bruegels Zeiten schildert. Das Buch ist, wie die New York Times bestaetigt, "ebenso interessant zu lesen und faszinierend wie ein erstklassiger Spionageroman", inspirierte Lech Majewski zu dem Film Die Mühle und das Kreuz. Diese neue Auflage des Buches stuetzt sich auf neue, detaillierte Photos, die es dem Leser ermoeglichen erstaunliche bisher nicht bekannte Details zu sehen.

Freitag, 30. November 2012

Licht, das singt


Ottmar Hinz (Hg.): Licht, das singt: Das Bremer Fensterwerk von Alfred Manessier, 136 Seiten, Bremen 2012

Wer die gotische Bremer Ratskirche Unser Lieben Frauen im Herzen Bremens betritt, wird sofort von den außergewöhnlichen Lichtverhältnissen und den farbenprächtigen Fenstern in ihren Bann gezogen. Zwischen 1965 und 1979 schuf der französische Maler Alfred Manessier (1911 – 1993) dieses Ensemble von 20 Kirchenfenstern, das durchaus als Meilenstein in der Geschichte der europäischen Glasfensterkunst des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann. Mit Licht, das singt erscheint nun erstmals eine umfassende Darstellung dieses zeitlos modernen Werkes. Das Buch dokumentiert Manessiers Bremer Fensterkunst in Gesamt- und Detailaufnahmen und beleuchtet in Textbeiträgen unterschiedliche Facetten der Kunstauffassung und Persönlichkeit des Künstlers, die Quellen seiner Inspiration und die fruchtbare Zusammenarbeit mit den norddeutschen Auftraggebern, die sich vor 50 Jahren bewusst für die abstrakte Kunst und gegen die gegenständlich erzählende Kirchenfenstertradition entschieden haben. Manessiers Bremer Fensterzyklus entfaltet seinen ästhetischen Reiz und seine spirituelle Kraft durch nähere Betrachtung. Dieser reich bebilderte Band lädt dazu ein, einen detaillierten Blick auf und durch die gläserne Farbenpracht zu werfen.

Handbuch kulturelle Bildung


Hildegard Bockhorst / Vanessa-Isabelle Reinwand / Wolfgang Zacharias (Hrsg.)Handbuch Kulturelle BildungSchriftenreihe Kulturelle Bildung vol. 30, München 2012, 1080 Seiten

Was ist Kulturelle Bildung? Was sind ihre theoretischen Grundlagen? In welchen Handlungsfeldern, Kunstsparten, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Kontexten und Wirkungsformen findet sie statt? Obwohl Kulturelle Bildung seit einigen Jahren in aller Munde ist und zahlreiche Positionspapiere, Stellungnahmen, Modelle und Projekte ihre Aktualität und Bedeutung betonen, gab es bisher keine Gesamtdarstellung eines von vielen Expertinnen und Experten getragenen Verständnisses Kultureller Bildung.

Das Handbuch Kulturelle Bildung versammelt nun erstmals systematisch über 180 Beiträge von fast ebenso vielen Autorinnen und Autoren, die Theorie und Praxis der Kulturellen Bildung umfassend darstellen. Teil I widmet sich den anthropologischen, pädagogischen, ästhetischen und gesellschaftlichen Fundamenten. Teil II entfaltet und bündelt die Komplexität und Vielfalt der Praxis Kultureller Bildung in Bezug auf ihre unterschiedlichen Orte, Zielgruppen und Themen und ihre politischen Dimensionen im Dreieck von Jugend-, Bildungs- und Kulturpolitik.

Dieser erste kollektive Gesamtüberblick versucht das Besondere der Kulturellen Bildung darzustellen – auch in Differenz zu anderen Disziplinen und Bildungsfeldern. Das Handbuch wendet sich damit sowohl an Praktikerinnen und Praktiker aus kulturpädagogischen und kulturvermittelnden Professionen als auch an Lernende und Lehrende in Studium und Forschung.

Dienstag, 14. August 2012

Kunst und Religion im Zeitalter des Postsäkularen


Henke/Spalinger/Zürcher (Hg.) Kunst und Religion im Zeitalter des Postsäkularen: Ein kritischer Reader

Bilden sich durch die sogenannte Wiederkehr des Religiösen in der bildenden Kunst heilige oder auch unheilige Allianzen? Dieses Buch thematisiert die Zusammenhänge von zeitgenössischer Kunst und Religion im Zeitalter des Postsäkularen, indem es das Feld zwischen privater Religiosität und kritischer Theologie auslotet.

Die Beiträge zeigen auf, wie sich religiöse Fragen im säkularen Hochschulkontext als ästhetische Herausforderungen auch im konfessionellen Sinn bearbeiten lassen und welche Bedeutung künstlerischer Arbeit für die Vermittlung von Religion außerhalb von Kirche und Politik zukommt.

Damit richtet sich das Buch nicht nur an Künstler/-innen, sondern auch an Kulturwissenschaft, Kunst- und Religionspädagogik, Theologie sowie Kuratorinnen und Kuratoren.

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